Forecast 100m Finale der Männer, Rio 2016

GAM
Forecast
Autor:in

Johannes Hofrichter

Veröffentlichungsdatum

14. August 2016

Am 14.8.2016 ist es wieder soweit. Das 100m Finale der Herren wird bei den Olympischen Spielen in Rio über die Bühne gehen. Weltweit werden wieder Millionen Zuschauer dieses Spektakel verfolgen und gespannt sein, wer aktuell der schnellste Mann der Welt ist. Schafft es Usain Bolt zum dritten Mal olympisches Gold zu holen, oder wird diesmal einer seiner Kontrahenten der Gewinner sein? Auf Grund der Ergebnisse im heurigen Jahr scheint Justin Gatlin sein größter Konkurrent zu sein. Ein Blick auf die Historie der gelaufenen Zeiten dieser beiden verrät, dass es diesmal sehr knapp werden wird. Wie knapp, zeigt uns die folgende Analyse.

Um abzuschätzen, welche Zeit diese beiden Kontrahenten im 100m Finale laufen werden, werden als Datenbasis die offiziell gemessenen Zeiten ab dem Jahr 2002 herangezogen (Datenquelle: www.iaaf.org). Zur Verfügung stehen die gelaufene Zeit, der gemessene Wind, der Ort und das Datum. Berücksichtigt wurden nur jene Zeiten, die im regulären Windkorridor von -2 m/sec bis +2 m/sec liegen. Für die Vorhersage der Zeit bei den Olympischen Spielen in Rio wurde der zeitliche Verlauf anhand einer nichtlinearen Funktion modelliert. Zusätzlich wurde überprüft, welchen Einfluss der Wind hat und ob der Athlet bei Großveranstaltungen (Weltmeisterschaften und Olympische Spiele) im Allgemeinen schneller oder langsamer läuft – und ob er im Halbfinale oder Finale noch einmal einen Gang zulegt. Zwischen Weltmeisterschaft und Olympischen Spielen wurde nicht unterschieden.

Forecast 100m Finale für Usain Bolt

Betrachten wir als erstes die Zeiten von Usain Bolt. Die gelbe Linie zeigt die geschätzte mittlere Zeit über die Jahre hinweg. Es ist zu erkennen, dass diese leicht ansteigt – Usain Bolt wurde im Mittel also etwas langsamer. Sehr auffällig ist hingegen, dass er im Finale bei Großereignissen deutlich schneller ist (goldene Punkte). Der rote Punkt stellt die vorhergesagte Zeit für das Finale bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 dar: 9.780 sec, obwohl seine durchschnittliche Zeit aktuell nur knapp unter 10 sec liegt. Die deutliche Korrektur nach unten ergibt sich daraus, dass Usain Bolt bei Großereignissen regelmäßig schneller läuft als seine mittlere Zeit. Die roten Linien um den Punkt beschreiben die Unsicherheit dieser Vorhersage – die gelaufene Zeit liegt mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% in diesem Intervall.

Forecast 100m Finale für Justin Gatlin

Der Verlauf von Justin Gatlins Zeiten zeigt ein etwas anderes Bild. Nach seiner Pause wurde er im Mittel schneller und befindet sich in den letzten beiden Jahren konstant knapp über 9.9 sec. Auch Gatlin ist bei Großereignissen im Halbfinale und Finale konstant schneller – allerdings nicht in dem Ausmaß wie Usain Bolt. Daher ist die vorhergesagte Zeit für Gatlin 9.785 sec, also um 0.005 sec langsamer als bei Usain Bolt. In Österreich würde man im politischen Jargon sagen: „Das wird a….knapp.”

Vergleich der Laufzeiten verschiedener Athleten

Spannend ist natürlich auch, wie die anderen Teilnehmer in Rio performen werden. Da zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht feststeht, wer ins Finale kommt, wurde die Analyse für alle Läufer durchgeführt, die in den letzten beiden Jahren eine Zeit unter 9.95 sec gelaufen sind. Für jeden Einzelnen wurde eine eigene Analyse durchgeführt – mit dem Ergebnis einer vorhergesagten Zeit für das Finale, sofern es erreicht wird. Die Analyse hat gezeigt, dass nicht alle Läufer bei Halbfinale oder Finale signifikant schneller laufen als bei anderen Events. Teilweise ist die Anzahl der verfügbaren Zeiten gering, sodass für die Vorhersage nur die mittlere gelaufene Zeit der letzten Jahre herangezogen wurde. Die Grafik zeigt: Usain Bolt und Justin Gatlin heben sich deutlich von den anderen ab. Die restlichen Läufer liegen sehr knapp beieinander.

Fazit: 100m Finale

Sowohl das Rennen um die Goldmedaille als auch das um die Bronzemedaille wird knapp. Sofern kein Wind geht, liegt die vorhergesagte Siegerzeit bei 9.78 sec. Die untere Grenze des Vorhersageintervalls liegt bei Usain Bolt und Justin Gatlin bei 9.65 sec – ein neuer Weltrekord ist damit sehr unwahrscheinlich.

Anmerkung: Einige Läufer haben bis jetzt noch bei keiner oder nur einer Großveranstaltung teilgenommen. Bei diesen ist es nicht möglich abzuschätzen, ob sie bei Großereignissen anders performen als sonst. Die Analyse hat gezeigt, dass das sehr unterschiedlich sein kann: Es gibt Läufer, die dann schneller sind, andere sind gleich schnell – und manche laufen sogar etwas langsamer.

Die Analyse wurde mit R for Statistical Computing durchgeführt. Grafiken wurden mit dem R-Paket ggplot2 erstellt. Für die Modellierung kamen GAM und GLM zum Einsatz. Das Vorhersageintervall wurde mittels nichtparametrischem Bootstrap berechnet.

Datenquelle: www.iaaf.org

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